mutter tochterWieder einer dieser sensiblen Tage....

Es ist wieder einer dieser Tage, an dem ich morgens aufstehe, mehr platt als munter bin, weil mir die nächtliche Hitze bereits die 10. Nacht in Folge den Schlaf raubt. Ich fühle eine Nervosität und eine innere Unruhe und auf einmal laufen mir einfach so die Tränen über die Wangen und ich frage mich: „Was ist denn heute wieder los mit mir? Warum bin ich heute wieder so sensibel?“ und sage mir selbst mit kräftigem Ausdruck: „Es ist nun mal so. Ich versuche den Tag so gut wie es geht über die Bühne zu bringen.“ Vieles was ich mir für heute vorgenommen habe, funktioniert nicht. Und mein Gedankenkarussell beginnt zu kreisen. Ich versuche mich selbst zu beruhigen und sage mir immer wieder das gleiche vor: „Es darf auch mal einen schlechten Tag geben! Es ist ok so, morgen ist ein neuer Tag!“

Von der Überstimulierung zur Reizüberflutung

Jetzt ist es 14.30 Uhr. Ich bin auf dem Weg in den Kindergarten. Beim Fußmarsch hoch zur U-Bahn habe ich das Gefühl wenig bis keinen Sauerstoff zu bekommen. Die Luft steht regelrecht in der Stadt. In der U-Bahn angekommen, hauen mich die extremen Gerüche fast um. Die Mischung aus Schweiß, Parfüm, Deo und Essen fahren mir in einer Geschwindigkeit eines Ferraris in die Nase. „Gott sei Dank habe ich zumindest einen Sitzplatz ergattert“! - denke ich mir. Ich schnaufe einmal tief durch. Rede mir gut zu; „Komm lass den chaotischen Tag einfach hinter dir und freu dich nur noch auf dein Kind!“ Ich atme noch ein paar Mal tief ein und aus und bemerke wie der Druck auf meiner Brust leichter wird. Bis die U-Bahn in die nächste Station einfährt und die hohen Töne des Quietschens der Reifen schmerzvoll in meinen ganzen Körper eindringen und höre mich schon wieder selbst mit mir reden.

Komm das schaffst du schon!

Es sind nur noch 5 Stationen bis zum Kindergarten!“ Beim Kindergarten angekommen springt mir mein Sohn mit einem breiten Lächeln in die Arme. „Was für eine schöne Begrüßung und Abwechslung zum heutigen Tag! Gott sei Dank geht es ihm zumindest gut!“ denke ich mir. Wir sitzen wieder in der U-Bahn. Die selbe 40-minütige Qual zurück. Hitze, Gestank, viel Lärm, viele Menschen! Nur dieses Mal kann ich mich nicht mehr auf mich alleine konzentrieren. Ich bemerke, dass die äußerlichen Umstände meinen Sohn genauso zusetzen. Zu dem kommt bei ihm ein Hungergefühl auf und das was ich ihm anbiete, will er nicht. All meine Erklärungsversuche warum ich bei 34° C keine Schokolade mitnehme, stoßen auf eine Wand des Unverständnisses.

Vom lustigen Kind zum tobenden Löwen

Und auf einmal wird aus dem quietschvergnügtem Kind ein brüllender Löwe der anfängt tobend um sich zu hauen. Ich versuche gelassen zu bleiben und mit ruhiger und klarer Stimme ihm zu sagen, dass er bitte sitzen bleiben soll. Ich sage es ihm 1-mal, 2-mal, 3-mal. Mein Kopf versteht seinen Wunsch. Mein Bauch fühlt seine Überforderung. Nur der Löwe brüllt weiter, galoppiert wie ein Pferd durch den U-Bahn Gang und haut wie ein angriffslustiger Esel um sich aus. Im Augenwinkel sehe ich die abschätzigen Blicke der anderen Leute. Regerecht fühle ich es was sie sich denken „Was ist mit dieser Mutter los? Die hat ihr Kind auch nicht unter Kontrolle!“ Es beunruhigt mich doch ein wenig und meine Ruhe und Gelassenheit kippt etwas. Ich versuche nur noch die letzten 3 Stationen auszuharren und die abfälligen Blicke zu negieren. Auf der Rolltreppe hoch zum Ausgang passiert es dann, als ich erneut angebrüllt werde:“ Du bist so eine gemeine Mama! Wieso hast du mir keine Schokolade mitgenommen?!

Und ganz plötzlich bricht mein Vulkan aus! „System overloaded!!“

Meine Emotionen gehen ebenso wie ein galoppierendes Pferd mit mir durch! Alle pädagogisch korrekten Erziehungsmaßnahmen waren weg und schreie mein Kind an: „Jetzt hör endlich auf zu jammern!“ Mein Sohn fängt zu weinen an. Hält sich mit seinen kleinen Händen seine Ohren zu und blickt zerknittert nach unten. Dicke Krokodils Tränen kullern auf den Boden. Reizüberflutet wie wir beide sind, schnappe ich ihn an der Hand und gehe mit ihm nach Hause. Zuhause angekommen bin ich komplett fertig. Mein Sohn hat sich in den stillen Minuten unseres Fußweges wieder etwas beruhigt nur ICH…. Ich war mit Schuldgefühlen geplagt und frage mich: „Was ist nur gerade passiert? Hatte das sein müssen?“

 

Erkennst du dich auch in dieser Geschichte wieder? 

Hattest du bisher auch ähnliche Situationen, bei denen du dich gefragt hast, ob du eine gute Mutter bist?

Was du tun kannst, nachdem du aus der Reizüberflutung emotional agiert hast,

erfährst du in Teil 2 & Teil 3 von "Bin ich eine gute Mutter, wenn mein Vulkan ausbricht?"